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Anja in Cork

Ich hatte die Möglichkeit, für ein halbes Jahr nach Irland zu gehen. Dort wohnte ich mit meinen Gasteltern und meinen zwei erwachsenen Gastbrüdern in einem Stadtteil von Cork im Süden Irlands. Cork ist die zweitgrößte Stadt Irlands und hat ca. 110.000 Einwohner.

Am Anfang war ich super nervös. Doch endlich am Flughafen angekommen und von meiner Gastfamilie empfangen, legte sich die Nervosität ein wenig. Als ich dann bemerkte, dass ich meine Gasteltern ziemlich gut verstand, wenn sie mit mir sprachen, war ich natürlich heilfroh.

Sehr interessant war es für mich, nach einem anderen Schulsystem zu leben und eine reine Mädchenschule zu besuchen. Wir mussten eine Schuluniform tragen und auch das "assembly" jeden Morgen war neu für mich. Die irischen Schulen sind sehr konservativ. Man darf kein bisschen Haut zeigen, weder Make-up benutzen noch Cola trinken. Doch man gewöhnt sich schnell daran und jetzt vermisse ich diese Gepflogenheiten schon wieder. Ansonsten war die Schule super. Die Leute
waren sehr offen und halfen mir in jeder Situation. Weiters konnte ich die Erfahrung des "4th year" machen, was es bei uns in Österreich nicht gibt. In diesem Jahr wird besonderer Wert auf die Entwicklung und Interessensfindung der Schülerinnen gelegt. So hatten wir neben den normalen Haupt- und Nebengegenständen auch Gegenstände wie "Personal Coaching", "Public History" and "Child Care".  

Ich bekam auch die Möglichkeit, mit meiner Klasse auf eine Sport- und Abenteuerwoche zu fahren, die mich mit den Mädels noch mehr verband. Wir fuhren 7! Stunden in den Nord-Westen von Irland, wo mich eine total untypische und neue Landschaft empfing. Dort konnten wir surfen, Kanu fahren, im Hochseilgarten klettern und vieles mehr. Es war ein tolles Erlebnis.

Mit der Sprache hatte ich vielleicht am Anfang ein wenig Probleme, da die Iren als sehr, sehr schnelle Redner bekannt sind. Doch nach spätestens einem Monat, konnte ich mich flüssig verständigen und hatte auch keine Probleme mehr, anderen Konversationen zu folgen. Nach und nach verschwand dann der Dialekt immer mehr und die ersten Slangwörter wurden in meiner Sprache bemerkt. Darauf war ich natürlich sehr stolz.

Zu meiner Gastfamilie kann ich nur eines sagen: Wow! Sie waren echt toll. Meine Gastmutter hat mich überall herumchauffiert, wenn ich was gebraucht habe, sich um mich gesorgt, wenn ich krank war und mich auch ein klein wenig verwöhnt. Und mit meinem Gastvater hatte ich auch jede Menge Spaß. Am Anfang war es eher schwierig für mich, mich mit ihm zu verstehen, aber nach und nach wurden wir echt gute Freunde und haben uns prima verstanden.

Sie brachten mich auch mit ihrer Familie in Verbindung und nahmen mich zu allen Feierlichkeiten   mit, sofern ich nicht etwas anderes vorhatte, dann ließen sie mir meine Freiheiten. Von der Familie wurde ich auch so herzlich aufgenommen und zu so vielen Sachen eingeladen.

Nach der Schule oder am Wochenende traf ich mich mit den Mädels aus meiner Schule und deren Freunden und wir fuhren in die Stadt, gingen ins Kino oder hingen einfach nur so zusammen und hatten viel Spaß.

Die Iren sind generell sehr freundlich und aufgeschlossen. An der Supermarktkasse wirst du gefragt, wie es dir geht. Jeder bedankt sich beim Buschauffeur, auch in der Stadt. Und sie helfen dir, besonders wenn sie merken, dass du nicht von hier bist.

Und die irische Kultur ist einfach sehr interessant. Anfangs war ich geschockt, dass jeder im Bus ein Kreuzzeichen beim Vorbeifahren an einer Kirche macht oder dass die Frau früher nicht arbeiten durfte, wenn sie verheiratet war. Doch Irland ist nun wirklich nicht mehr alt, sondern auf dem modernsten Stand.

Am bekanntesten ist Irland wohl für seine Pubs. Es ist wirklich gemütlich, in den Pubs zu sitzen, mit deiner Familie oder Freunden zu quatschen und der alten "Irish Music" zuzuhören oder dem "Irish Dancing" zuzuschauen.

Doch auch so lernte ich vieles kennen. Ich war bei den Hunderennen und schaute mir ein Hurlingspiel (irischer Nationalsport) live an.

Den irischen Nationalfeiertag "St. Patrick's Day" ließ ich mir natürlich auch nicht entgehen und feierte ihn standesgemäß mit Freunden in Dublin. Wir kauften uns natürlich Hüte und Schals und umjubelten dann die tolle Parade. Danach schauten wir uns mit vielen, vielen Fans die berühmten Rugbymatches an. Wirklich die ganze Stadt und alle Menschen sind an diesem Tag/Wochenende verrückt. Es war herrlich.

Auch so besichtigte ich sehr viel: das "Trinity College" und das "Guiness Storehouse" in Dulbin, die "Jameson Distillery" in Middleton, und the "Ring of Kerry" in Westcork, wo ich wirklich entdeckte, warum Irland als "Grüne Insel" bezeichnet wird.

Natürlich pflege ich weiterhin den Kontakt mit meinen Gasteltern und Freunden. Wir telefonieren und schreiben E-Mails. Und alle träumen wir schon vom heiß ersehnten Wiedersehen, da der Abschied so schwer viel, wie nie zuvor erträumt. Zum Abschied organisierten die Mädels ein BBQ und ich bekam kleine Andenken von ihnen. Am letzten Tag flossen die Tränen.

In diesem halben Jahr lernte ich nicht nur mich in einer Fremdsprache zu behaupten, sondern lernte mich selber kennen. Ich entdeckte eine neue Kultur, neue Menschen ein völlig neues Land und gewann sowohl an Selbstbewusstsein als auch an Zielstrebigkeit.

Ich möchte noch allen danken, die mir diese Reise überhaupt erst ermöglicht haben: meinen Eltern, meiner Schule, meinen Gasteltern, meiner irischen Schule und STS. Ohne diese Personen wäre mein Wunsch nie in Erfüllung gegangen.

Anja Gölzner


STS High School

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